Vertrauen ode Angst - Was bestimmt mein Leben?
Predigt über 1. Mose 3 - Brückengottesdienst am 18.3.2018

Liebe Schwestern und Brüder!
Beim ersten Gottesdienst haben wir uns der Frage gestellt: Was kann die Bibel uns über die Ordnung dieser Welt sagen? Die Bibel sagt uns, dass das Leben so wie wir es hier und jetzt erfahren auf eine Ordnung zurückgeht, die Gott geschaffen hat. Diese Ordnung gibt unserem Leben Sinn und Halt. Alle Erkenntnisse der Naturwissenschaft, so gut und so richtig sie auch immer sind, können uns diesen letzen Halt und Ordnung nicht geben.
Beim zweiten Gottesdienst ging es dann um die Frage, wer wir sind? Die Schöpfungsgeschichte gibt uns zunächst eine eher pessimistische Antwort: Gott hat uns aus Staub und Erde geschaffen und in diese Bestandteile werden wir uns auch wieder auflösen, wenn wir sterben. Was uns aber vor den Tieren auszeichnet, ist dass wir eine Beziehung zu Gott haben können. Er spricht uns an durch sein Wort. Er ruft uns aber auch zur Verantwortung. Weil Gott mich anspricht, werde ich zum „Ich“, zu einem Menschen, zu einem Ebenbild Gottes. Gott ruft den Menschen „Adam (Mensch), wo bist du?“ Er möchte ein Beziehung zu uns haben, uns ins Leben rufen. Dieser rote Faden zieht sich durch die ganze Bibel.
Aber und das ist die andere Seite der Geschichte, wir Menschen verlieren diese Beziehung zu Gott immer wieder, gehen verloren. Und diesen Tatbestand fasst die Bibel in der Erzählung vom „Sündenfall“ in 1. Mose 3 zusammen.

Wer kennt sie nicht diese Geschichte von Adam und Eva mit dem Feigenblatt. Und dann die Schlage, die die Menschen von Gottes Wegen abbringt und dazu verleitet von der verbotenen Frucht des Baumes zu essen.
Wenn wir auf diese Erzählung , dann stellen sich uns viele Intellektuelle Fragen?
Woher kommt das Böse?
Wie Ist das mit der Schlange?
Warum hat Gott verboten von dem einen Baum zu essen?
Man kann die ganze Geschichte als kindliche Phantasie, als Märchen abtun. Aber eben auch die Märchen enthalten oft eine tiefe Wahrheit.
Lassen Sie sich also nicht den Blick versperren, durch allzu intellektuelle Fragen, sondern blicken Sie tiefer hinein in das, worum es in dieser Geschichte geht. Um Angst und Vertrauen.

Jeder von uns weiß, wie schön Vertrauen ist. Es ist ein Zustand der Seligkeit. Wo Vertrauen ist, da sind wir zuhause und fühlen uns sicher und geborgen. In den Armen eines geliebten Menschen, im Kreis der Familie oder beim geselligen Zusammensein mit Freunden. Wir sind entspannt, relaxt. So beschreibt die Bibel als Paradies. Es ist der Zustand der Einheit. Einheit Zwischen Mensch und Gott. Einheit der Menschen untereinander. Einheit von Menschen und Tieren.
Aus psychoanalytische Sicht erleben wir Menschen diese Einheit am Anfang unseres Lebens in der Einheit von Mutter und Kind.
Wie schön wäre es wenn dieser Zustand ewig andauern würde? „Verweile Augenblick, du bist so schön“ (Göthe Faust)

Aber Autsch, wenn da nicht die Schlange wäre! Sie stört und dann zerstört sie diesen Vertrauensverhältnis.
Gen. 3:1 Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? 2 Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; 3 aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! 4 Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, 5 sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

Alles fängt so harmlos an. Mit einer Frage. Hat Gott wirklich gesagt, ihr dürften nicht von diesem Bauch essen? Eine Frage ist ja so harmlos. Aber wir müssen Fragen, wie diese in unserem Leben immer wieder zulassen. Die Frage der Schlange hinterfragt die so glückliche Einheit Gottes mit den Menschen. Sie macht Platz Für die Vorstellung, dass es Gott mit den Menschen doch nicht so gut gemeint haben sollte. Und so platziert die Schlange ganz bewusst eine Falschaussage. Gott beabsichtigt mit dem Verbot, die Menschen daran zu hindern ewig zu leben und so sein werden wie er. Misstrauen entsteht.

Misstrauen hat viele Folgen. Diese Folgen werden in unser Erzählung ausdrücklich beschrieben.
Die Menschen machen zunächst etwas, was Gott erzürnen muss. Sie übertreten sein Gebot. Sie übertreten die Grenze, die Gott gezogen hat.
In der Erzählung ist diese Grenze für uns heute primitiv und lächerlich. Was soll schon daran schlimm sein, einen Apfel oder eine andere Frucht zu essen. Aber diese Grenze steht bildlich für alle Grenzen, die es gibt und die wir übertreten können.
Da sind zunächst einmal die Grenzen, die auch heute noch durch Gebote festgelegt sind.
Du sollst nicht stehlen! Die Grenze von mein & dein.
Das sollst nicht töten! Wir Menschen sollen uns nicht das Recht anmaßen, Herr über die Grenze von Leben und Tod anderen Menschen zu sein
Du sollst nicht ehebrechen! Wir sollten nicht in die Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich Liebe und Treue versprochen haben einbrechen.
Aber es geht ja bei diesen Grenzen, nicht nur um die schriftlich ausgeführten Gebote, sondern um die unsichtbaren, feinen kaum wahrnehmbaren Grenzen, es geht darum den anderen in seiner Menschenwürde zu achten. Ihm das Recht auf Leben zu zu gestehen. Das Recht und die Würde ein Ebenbild Gottes zu sein, genauso wie ich es bin.

6 Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.

Die Grenze die Adam und Eva in unsere Erzählung überschreiten ist noch eine ganz andere: Sie wollen sein wie Gott, sie wollen sich selbst an die Stelle Gottes setzen Damit übertreten sie die Grenze des ersten Gebotes: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Selber die Grenzen, Maßstäbe und Gesetze festlegen. Selber bestimmen, was gut und böse ist. Sie wollen ihr Leben selber bestimmen. Deswegen ist die Frucht so verlockend anzusehen und schmeckt so gut. Es ist der Duft der Freiheit und der großen weiten Welt.

Im Gleichnis vom verlorenen Sohn im Neuen Testament, fordert der Sohn das Erbe von seinem Vater, um hinauszuziehen um ein Leben in der Freiheit, unabhängig vom Vater zu führen.
Dieser Wunsch, die Grenzen des Vaterhauses zu verlassen, den Vater selbst zu verlassen, hinaus in die Ferne zu ziehen, und ohne das Schalten und Walten des Vaters selber mit Hab und Gut umgehend zu dürfen führt unweigerlich zur Trennung vom Vater, führt zum Verlust der Einheit, führt in der Erzählung vom verlorenen Sohn zum Schweinetrog. Denn der Sohn, wie Jesus erzählt verprasst in der Fremde das ganze Vermögen und landet dann als verarmter Schweinehirt bei den Säuen. Er hat so viel Hunger, dass er gerne vom Schweinefutter essen möchte.

7 Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. 8 Und sie hörten Gott den Herrn, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn unter den Bäumen im Garten.

In der Erzählung vom Sündenfall kommt es nicht sofort zu dieser Trennung. Noch sind Adam und Eva im Paradies. Aber etwas hat sich verändert. Das Misstrauen und mit ihm die Angst ist in das Paradies eingezogen.
Adam und Eva werden gewahr, dass sie nackt sind. Das ist früher kein Problem gewesen zu. Wie im Zustand der unschuldigen Kindern gingen Adam und Eva beide nackt durchs Paradies ohne sich dabei irgendetwas zu denken. Nun merken Sie auf einmal wie verletzlich sie sind.
Es Ist das Vertrauen verloren gegangen, dass Gottes sie allezeit beschützt. Denn sie habe nun Angst vor Gott selbst. Was wird Gott mit ihnen machen? Müssen Sie nun sterben, wie Gotte es ihnen angedroht hat?

Aber nicht nur Ihr Vertrauen zu Gott ist gestört, sondern Sie schämen sich nun auch voreinander.
Eva schämt sich vor Adam, dass sie ihn verführt hat.
Und Adam schämt sich vor Eva, dass er der Verführung nachgegeben hat.

9 Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? 10 Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.

Adam wo bist du? Gott sucht den Menschen. Gott sucht den Menschen und hält wie der Vater im der Geschichte vom verlorenen Sohn Ausschau nach dem, der in die Ferne gezogen ist. Dieses Thema durchzieht die ganze Bibel. Gott möchte das Vertrauen wiederherstellen. Das ist seine Mission. Er weiß, was Misstrauen anrichten kann. Er weiß wie sehr nun Angst unser Herz quält.
365 mal steht in der Bibel der Satz „fürchte dich nicht!“, Für jeden Tag des Jahres einer.

Aber was soll Gott jetzt machen? Alles mit einem Federstrich wegwischen? Die Verletzung der Grenze ungeschehen machen. Dann würde die Erzählung als Märchen enden. Mit einem happy end. Es war alles so wie früher und Adam und Eva lebten mit Gott zufrieden und glücklich im Garten Eden bis in alle Ewigkeit.
Die Bibel ist aber kein Märchen, keine gute Hollywood story die immer gut ausgeht. Sie ist realistisch. Und sie will erklären, warum wir heute so leben, wie wir leben.

So beschreibt sie am Ende der Erzählung, wie Leben getrennt von Gott aussieht. Denn Gott hat in der Erzählung von Adam und Eva die beiden ziehen lassen, genauso wie der liebende Vater den Sohn hat ziehen lassen. Und so wie der Vater dem Sohn des Erbe mit gibt, so tut auch Gott der Schöpfer in der Erzählung alles, um weiteres Leben zu ermöglichen.

Ich bitte zu beachten! Der Vater in der Geschichte vom verlorenen Sohn hätte den Sohn eigentlich verprügeln und ins Gefängnis schmeißen müssen für die Dreistigkeit mit der Sohn das Erbe des Vaters noch zu seinen Lebzeiten einfordert. Dazu hätte er nach antikem Recht alle Möglichkeiten gehabt. Gott hatte Adam und Eva eigentlich sofort sterben lassen müssen, Aber er lässt sie ziehen.

Die Folgen sind in beiden Fällen verheerend. Der verlorene Sohn landet bei den Schweinen und beginnt sich dann erst zu erkennen wie schön das väterlichen Paradies war. Adam und Eva müssen erleben, Wie ein Leben ohne Vertrauen auf Gott aussieht. Das wird in den Flüchen ausgedrückt, Unter denen nun Adam und Eva leben müssen.

16 Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein. 17 Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen -, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. 18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. 19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.

Der fruchtbare Garten Eden, in dem es Nahrung in Fülle gab, wird zum staubtrockenen Acker, dem Adam im Kampf mit Distel und Dornen ein kärgliches Brot abgewöhnen muss. Die wunderbare Einheit und Freude die Adam und Eva als Paar im Paradies erlebt haben, wird wird zum täglichen Überlebenskampf des Paares im Schnittfeld von Beruf und Familie.
Diese Flüche beschreiben sehr drastisch, was die Angst in unserem Leben bewirkt:
Aus dem Wonnezustand des Paradieses, dem Schutz und Geborgenheit der vertrauten Beziehung treten wir ein in ein Leben voller Schmerzen.
Aus einer von Gott geschaffenen Ordnung und Klarheit treten wir ein in einen Zustand der Unordnung und Unklarheit.
Aus der Herausforderung im Paradies, den Garten Eden zu bebauen und zu bewahren, wird die Überforderung für das nackte tägliche Leben zu sorgen.

Was hilft? Wir müssen zum Vertrauen zurückfinden. Herbert Mühlen nennt das ruhiges entspannt Vertrauen, das nicht begründet und erklärt werden kann, Aber das wird doch so dringend brauchen wie alle anderen Dinge Des täglichen Lebens. Und so ist die Bibel voll von vertrauensgiftenden Maßnahmen.
Und die erste vertrauensgiftende Maßnahme ist, dass Gott in der Schöpfungsgeschichte den Menschen ihren Willen lässt, so wie der Vater den Sohn im Gleichnis ziehen lässt, so muss Gott Adam und Eva ziehen lassen auch wenn es den Verlust des Paradieses bedeutet.
Hätte Gott die Geschichte rückgängig gemacht, wäre das Paradies zwar gerettet gewesen, aber Adam und Eva und in ihnen wir Menschen hätten unsere Menschenwürde verloren, die darin besteht als Gottes Ebenbilder Anteil an Gottes Freiheit zu haben.
Hätte der Vater den Sohn gezwungen oder überredet, nicht in die Ferne zu ziehen, wäre der Sohn vielleicht nicht bei den Schweinen gelandet, aber das Vertrauensverhältnis des Sohnes zum Vater wäre auf immer zerbrochen gewesen. So bestand die Chance, dass der Sohn freiwillig und vom ganzen Herzen zum Vater zurückfand.
In der Bibel heißt es nur lapidar:
21 Und Gott der Herr machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an.
Gott bleibt auch außerhalb des Paradieses der, der sich um seine Menschen kümmert, der sich um ihrer größten Nöte - hier ihre Nacktheit und Schutzlosigkeit - annimmt.

Vertrauen oder Angst, was bestimmt mein Leben?
Die Angst ist allgegenwärtig:
Angst vor dem Atomkrieg,
Angst vor Krebs,
Angst vor dem finanziellen Abstieg,
Angst um die Kinder,
Angst um den Ehemann.
Die Flüche die Gott über Adam und Eva und damit uns Menschen rausbrechen beschreiben ein Leben voller Angst, Sorge und Leiden. Angst und Sorge um das tägliche Brot, Angst und Sorge um Kinder und den Partner.
Das ist unsere Welt, eine Welt die sich von Gott abgewandt, die nicht mit Gott leben will, die aber nicht ohne Gott ist.
Denn Gott ist da, auch wenn wir ihn nicht sehen, und ringt immer wieder um unser Vertrauen ohne sich uns aufzudrängen. So schickt er sein Sohn Jesus Christus nicht mit den himmlischen Heerscharen, um uns in die Knie zu zwingen, sondern als einfachen Zimmermann und Wanderprediger. Gott machte sich Jesus Christus so verletzlich, dass er es auf sich nahm, am Kreuz für uns zu sterben.
Gott kümmert sich um uns, sorgt sich um uns, hält die Welt im innersten Zusammen, die ohne ihn schon längst durch unsere Atomsprengköpfe in die Luft Gefolgen wäre. Sein unverkrampftes, vorbehaltloses Vertrauen begleitet uns durch unser Leben auf unserem Weg durch die Freiheit, die Gott uns geschenkt hat und er wartet geduldig auf uns, dass wir zu ihm zurückkehren und auch ihm unser Vertrauen und Glauben schenken.